Zu Gast Dr. Tankred Stöbe
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Zu Gast Andreas Schiemenz
März 19, 2020

Was uns Corona für die Überzeugungsarbeit lehrt!


Wenn es im Moment noch Präsenzmeetings gibt, also Meetings in denen wir uns auch offline in die Augen schauen können, dann ist folgendes anders: Es gibt einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Gästen und statt des Händedrucks ist nur ein Ellenbogenknutscher zugelassen. Und natürlich gibt es immer dasselbe Einstiegssthema: Neues zu Corona!

Gestern fand dieses Meeting bei einem meiner Kunden statt, deren Personalentwicklerin Italienerin ist. Und ihre Einstiegsthese zu Corona hat mich sehr inspiriert. So begann sie mit der Frage: „Ist Euch eigentlich aufgefallen, dass die Art, wie die einzelnen Länder die Corona Schutzmaßnahmen durchsetzen, viel über die jeweilige Kultur und auch Überzeugungsstrategie aussagt?“

Die Chinesen geben top down Order und (fast) alle halten sich dran. Die Deutschen diskutieren und beziehen möglichst alle unterschiedlichen Perspektiven ein. Und erst wenn die Zahlen, Daten und Fakten auf dem Tisch liegen, unternimmt man erste zarte Schritte. Als diese Fakten sich dann dramatisch zuspitzen, ist auch der Durchschnittsdeutsche überzeugt, dass es 'cooler' ist zu Hause zu bleiben als zu diskutieren. Und in Italien? Ja, da lachte meine Kollegin und sagte, dass die Anordnungen der Regierung bekannterweise sehr gern umgangen würden, um es milde auszudrücken. Dass sei auch der Regierung klar, daher griff man zu drastischeren Mitteln und zeigte Bilder von Müttern und Großmüttern, die gesundheitlich angeschlagen waren. Und wenn die Italiener emotional berührt werden und sich um ihre Nonnas Sorgen machen müssen, dann braucht es keine weiteren Anordnungen, dann funktioniert das System von selbst.

Spannend

In meinen Seminaren und Workshops arbeite ich sehr gern mit dem 4-MAT System. Unterschiedliche Persönlichkeiten wollen unterschiedlich abgeholt werden, bevor sie wirklich innerlich überzeugt sind:

  1. Der WARUM Mensch...
    möchte zuerst genau die Frage nach dem „Warum“ geklärt wissen. Er analysiert die Vergangenheit und klärt, manchmal auch nur mit sich selbst, ob das ganze einen Sinn für ihn ergibt. Er braucht vor allem Zeit und Raum für den inneren Dialog.

  2. Den WAS Menschen...
    interessieren die Zahlen, Daten und Fakten. Er möchte einen konkreten Rahmen, bevor er handelt um möglichst keine Fehler bei seinen Entscheidungen zu machen. Daher diskutiert er auch im Vorfeld unter größtmöglicher Einbeziehung der Faktenlage. Ihm gibt man so viel wie möglich Sicherheit.

  3. Der WIE Mensch...
    entspannt sich, wenn er loslegen kann. Also gerade in unsicheren und kritischen Situationen ist für ihn HANDELN das Credo, auch wenn er die Faktenlage noch nicht überblickt. Lange Diskussionen sind nicht sein Metier, ungeduldig wird das Unvermeidbare angegangen. Ihm gibt man am besten Handlungsspielraum.

  4. Der WOZU (noch)...
    blickt meist sehr positiv in die Zukunft und versucht aus allem einen Nutzen abzuleiten. Dabei verströmt er meist positive Energie, versucht die anderen Mitstreiter mitzureißen und aus allem das Beste zu machen. Ihn erreicht man am besten mit Emotionen.

So sind doch einige der Länder in ihren Verhaltensmustern wiederzuerkennen, oder? So die Italiener, die nicht nur emotionale Bildbotschaften senden, sondern auch abends auf ihren Balkonen stehen und Musik in den Nachthimmel schicken. Wenn man sich schon nicht Abends auf der Piazza zum Espresso treffen kann, dann will man sich zumindest durch die Musik verbunden fühlen.

In der aktuellen Situation spricht mich dieses Verhalten ganz besonders an. Macht es doch Mut und lenkt den Blick auf die eigentlich wichtigen Dinge wie Zusammenhalt und Unterstützung. Zugegeben, auch sonst bin ich ein eher emotionaler Typ und kann mich mit den Wozu (noch) Menschen gut identifizieren. Sie zu überzeugen fällt mir meist leichter als den sicherheitsorientierten WAS-Menschen. Bringt mich zu dem Aspekt, genau diese zukunftsorientierten Gedanken noch weiter zu spinnen. Was also kann der Nutzen von Corona sein?

Ich erlebe aktuell, dass wir sehr viel virtueller im Trainings- und Beratungsbereich unterwegs sind. Datenschutzbestimmungen? Klären wir später! Der Bildschirm ersetzt nicht den persönlichen Kontakt? Stimmt, aber dann müssen wir uns eben mehr Zeit für Erklärungen und individuelle Fragen nehmen! Vielleicht sorgt Corona also für die Digitalisierung, der wir in Deutschland immer ein Stück hinterher galoppiert sind. Klar, wäre schöner gewesen, wenn wir das auch ohne Corona geschafft hätten. Aber für mich sieht das Glas halb voll nun mal schöner aus als halb leer.

Und Sie? Was brauchen Sie, um sich überzeugt zu fühlen? Und mit welchen Überzeugungsstrategien setzen Sie Ihre Themen durch? Je breiter Ihr Repertoire dabei ist, desto erfolgreicher werden Sie sein. Je nachdem, ob Sie einen Deutschen, Italiener oder Chinesen zum Daheimbleiben überzeugen wollen.

So, und nun werde ich mir gleich noch Gedanken machen, wo sich die Skandinaviern einordnen lassen. Ich habe jetzt in den nächsten Tagen mehr Zeit, weil bei den vielen online Konferenzen die Reisezeit wegfällt. Da war er wieder, der „Wozu noch“ Ansatz. Davon wünsche ich Ihnen in den nächsten Tagen ein gutes Quentchen und bleiben Sie schön gesund!

Der Kick für Ihre Marke ICH

Marke ICH – Training

20. November 2020 in Hamburg